Wir haben so viel – aber können wir noch miteinander?
Gegenwärtig macht mich unsere Gesellschaft nachdenklich.
Wir leben in einer Zeit, in der wir so viele Möglichkeiten haben wie kaum eine Generation vor uns. Und trotzdem habe ich zunehmend das Gefühl, dass uns etwas Entscheidendes verloren geht.
Materiell leben viele von uns in einem Wohlstand, den frühere Generationen so nicht kannten.
Wir haben 24/7 Zugriff auf Produkte, Supermärkte, die beinahe rund um die Uhr geöffnet haben, Lieferungen bis an die Haustür und High-End-Elektronik, die uns das Leben in vielerlei Hinsicht erleichtert. Informationen sind jederzeit verfügbar, wir können innerhalb von Sekunden mit Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren.
An Möglichkeiten mangelt es uns wahrlich nicht.
Was mir zunehmend fehlt, ist etwas viel Grundlegenderes: Respekt, Vernunft und die Fähigkeit, miteinander umzugehen – auch dann, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.
Im Netz wird beleidigt, provoziert und Stimmung gemacht. Jeder gegen jeden. Eine Meinung gegen die andere. Ein Lager gegen das nächste.
Und dabei merken wir offenbar immer weniger, dass wir selbst Teil dieser Entwicklung werden können.
Denn mit Stimmung machen wird es nicht besser.
Kein Problem wird dadurch gelöst, dass wir uns gegenseitig beschimpfen. Kein Mensch wird dadurch besser verstanden, dass wir ihn vorschnell in eine Schublade stecken. Und keine Gesellschaft wird dadurch stärker, dass jeder nur noch auf den anderen zeigt.
Vielleicht sollten wir deshalb wieder etwas mehr raus aus unseren digitalen Blasen und rein ins echte Leben.
Redet miteinander.
Hört einander zu.
Packt mit an.
Helft dort, wo Hilfe gebraucht wird.
Begegnet Menschen, mit denen ihr sonst vielleicht nie in Kontakt kommen würdet.
Unterstützt Vereine, soziale Einrichtungen oder sinnvolle Projekte. Und wenn es zu eurem Leben passt: Übernehmt ein Ehrenamt.
Nicht, weil jeder dazu verpflichtet wäre. Sondern weil eine Gesellschaft davon lebt, dass Menschen bereit sind, mehr beizutragen als nur ihre Meinung im Internet.
Das bedeutet nicht, dass wir schweigen oder Probleme schönreden sollen.
Im Gegenteil. Wir müssen Probleme benennen dürfen. Wir müssen diskutieren, kritisieren und auch deutlich widersprechen können.
Aber zwischen konstruktiver Kritik und gegenseitiger Hetze liegt ein gewaltiger Unterschied.
Wir sollten wieder lernen, diesen Unterschied zu erkennen.
Denn eine Gesellschaft verändert sich nicht durch den nächsten empörten Kommentar. Sie verändert sich durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, miteinander im Gespräch bleiben und bereit sind, selbst etwas beizutragen.
Wir haben so viel.
So viele Möglichkeiten.
So viel Wissen.
So viel Komfort.
Vielleicht ist es an der Zeit, daraus wieder etwas mehr Menschlichkeit zu machen.
Mehr miteinander. Weniger gegeneinander.
Mehr zuhören. Weniger vorschnell urteilen.
Mehr anpacken. Weniger hetzen.
Mehr Respekt. Weniger Empörung.
Denn am Ende sind wir keine Kommentare, keine Profile und keine politischen Lager.
Wir sind Menschen, die miteinander leben müssen.


