Swiss Epic 2023 – Fünf Tage zwischen Zweifel, Schmerz und purem Glück
Monatelanges Training lag hinter mir – Höhen und Tiefen, Formhochs und Motivationstiefs. Es lief nicht immer rund. Mal fühlten sich die Beine an wie Motoren, mal wie Blei. Aufs und Abs gehören dazu, klar. Aber kurz vor einem großen Ziel wünscht man sich eben doch Konstanz.
Und dann kam dieser Moment, mit dem ich niemals gerechnet hätte.
Vor meiner Haustür kippte plötzlich ein Mann um. Ein privater Ersthelfer-Einsatz, unvorbereitet und emotional herausfordernd. Ich sprintete, um zu helfen. Doch dieser Antritt war fatal – eine Muskelzerrung. Zwei Wochen vor dem Start.
Und plötzlich diese Frage im Kopf: Warum wird man eigentlich bestraft, wenn man helfen will?
Ausgerechnet jetzt.
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Zwischen Hoffnung und Zweifel
Zwei Wochen Pflege, Kühlen, Dehnen, Behandeln, Warten. Jeder Tag begann mit der Frage: Wird das wieder? Reicht es für 100 Prozent? Oder starte ich mit einem Handicap in das härteste Abenteuer unseres Jahres, meines Lebens?
Denn dieses Rennen war kein Sonntagsturnier. Es war das Swiss Epic in Graubünden – fünf Tage Mountainbike in den Alpen. Höhenmeter, die auf dem Papier schon Respekt einflößen. Neigungen, bei denen man sich fragt, ob das noch fahrbar ist oder schon Klettern.
Gemeinsam mit meinem Teampartner vom Team Doppel-Thorsten (Leo Channel) machten wir uns auf die lange Reise. Über Liechtenstein hinein in die Schweizer Bergwelt. Schon die Anfahrt fühlte sich wie der Auftakt zu etwas Großem an. Gespräche im Auto, ein bisschen Galgenhumor und diese unausgesprochene Frage zwischen uns: Hält dein Muskel?
Fünf Tage Alpenritt
Tag für Tag arbeiteten wir uns durch die Alpen. Schweiß. Staub. Schmerzen. Lachen. Fluchen. Weitermachen.
Die Zerrung? Sie war da, aber verursachte keine Schmerzen. Vielmehr schwebte bei jedem Tritt die Sorge im Kopf, dass der Muskel plötzlich „zumacht“. Ein ständiger Gedanke, der mich begleitete, doch ich setzte mich jeden Tag aufs Bike und gab alles – auch wenn die Unsicherheit nie ganz verschwand.
Was uns trug, war nicht nur die Vorbereitung. Es war Teamgeist.
Wir kennen das noch von früher – aus unserer Zeit als Amateurkicker auf Verbands- und Oberliga-Niveau. Damals ging es um Punkte, Tabellen, Auf- und Abstiege. Heute geht es um Höhenmeter, Etappenzeiten und Durchhaltevermögen. Doch eines ist gleich geblieben: Du gewinnst nur gemeinsam. Und du leidest auch gemeinsam.
Der Moment im Ziel – alles hat sich gelohnt
Nach fünf Tagen Alpenritt kam dieser eine Augenblick.
Die letzten Meter. Kein Sprint mehr. Kein Risiko. Einfach nebeneinander. Schulter an Schulter. Ein Blick, der mehr sagt als tausend Worte.
Gemeinsam über die Ziellinie.
In diesem Moment war alles da:
Die Zweifel vor dem Start.
Die Angst um den Muskel.
Der Hungerast.
Die steilen Rampen.
Die langen Anstiege.
Die endlosen Trails.
Und darüber hinaus dieses unbeschreibliche Glücksgefühl.
Es hat sich gelohnt. Jede Stunde Training, jeder Verzicht, das frühe Aufstehen neben dem normalen Arbeitsalltag – alles hat sich ausgezahlt. Manchmal fragt man sich, ob der Preis zu hoch ist, doch in diesen Momenten merkt man: Ja, es hat sich gelohnt. Nicht perfekt. Nicht schmerzfrei. Aber gemeinsam.
Und genau darum ging es.
admin
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